Ihr Lieben,
was wir euch heute erzaehlen ist fuer uns selbst so unbegreiflich, dass wir nach wie vor den Kopf darueber schuetteln.
Doch von vorne. Wir sind in Cartagena, einer sehr schoenen Stadt im Norden Kolumbiens. Eine Freundin Anjas war vor einiger Zeit in der Naehe auf einer Insel, Bocachica, um dort zu arbeiten. Als sie erfaehrt, dass wir auch in Cartagena sind, gibt sie uns ein Paeckchen mit Briefen und Milkaschokolade mit und bittet uns, es entweder selbst auf die Insel zu bringen, oder es in dem Boot abzugeben. Wir wollen uns die Sache natuerlich selbst ansehen und machen uns auf dem Weg.
Hier das Boot mit welchem wir gefahren sind.

Es ist ein ziemliches Abenteuer, sitzen doch ziemlich viele Menschen darin, etwa 25 - 30.
Es dauert lange bis es los geht, wir sitzen ganz hinten. Anja kann nur noch lachen, auf einmal bekommt sie beim betanken des Boots eine Ladung Diesel ueber den Ruecken gekippt. Doch das tut ihrer guten Laune keinen Abbruch. Jaccy und ich sind eher sehr skeptisch und hoffen nur, dass wir heil wieder zurueck kommen.
Als wir das offene Meer erreichen gibt der Faehrmann Gas, der Bug hebt sich, das Heck senkt sich, auf einmal sind wir unter der Wasserlinie.
Noch sind wir fuer Faxen zu haben und die Fahrt macht uns auch wirklich Spass!
Unterwegs halten wir mehrere Male, doch wo muessen wir raus? Es steigen immer wieder einige Menschen aus, doch uns wird gesagt wir sollen sitzen bleiben. Wir sehen jetzt schon was in etwa auf uns zu kommt. Kaputte Haeuser und Schiffe saeumen unseren Weg. Dennoch irgendwie idyllisch.
Wir kommen an der Endstation an und wissen nicht wohin. Doch gluecklicherweise hilft uns eine Frau weiter, welche mit im Boot war. Doch als erstes kauft sie einen Fisch an der Anlegestelle. Es wird gewogen, gehandelt und die Fische fallen zu Boden. Kein Problem, einfach im Meer wieder auswaschen. Schliesslich hat sie sich entschieden und wir folgen ihr einen Weg entlang. Den blutenden Fisch traegt sie in der Hand. Und ueberall Muell ohne Ende...
Unser "schwarzer" Engel organisiert drei Maenner mit Motorraedern und gibt uns noch Geld um zu zahlen. Warum wissen wir nicht. Wir sollen mit den Maennern mitfahren. Hilfe? Aber was sollen wir tun, wir haben keine Ahnung wohin...
Helm? Fehlanzeige!
Wir steigen auf, mein Fahrer ist hoechstens 16. Und los geht die Fahrt. Durch Gassen und Strassen, ueber Stock und Stein. Vorbei an vielen Menschen, ueberall laeuft Musik. Entgegen unserer Erwartungen fahren uns die drei Maenner sehr gut und sicher in die Naehe unseres Ziels.
Asphalt braucht man hier nicht zu erwarten, alles besteht aus Staub und Steinen.
Wir fragen uns zu der Familie durch und oh Wunder, wir finden das Haus der Familie tatsaechlich. Davor sitzt ein etwa 12-jaehriges (blondes, weisses!) Maedchen. Hier sind wir richtig.
Wir werden herzlich empfangen und bekommen einen Becher mit gutem Wasser. Jaccy fuehrt in erster Linie die Unterhaltung, ihr Englisch ist am besten. Ich werfe nur ab und zu eine Frage ein.
Sie erzaehlen uns ueber ihr Leben mit den sieben!! Kindern und den Menschen auf der Insel. Die Familie lebt davon, dass sie Wasserfilter verkaufen, Englischunterricht geben und Kuchen backen und verkaufen.
Es ist ueblich, dass Maedchen im Alter von 12 Jahren bereits die ersten Kinder bekommen, im Schnitt sechs Kinder pro Frau. Durchschnittlich verdienen sie 15000 Pesos am Tag, etwa 6 Euro. Woher das Geld kommt wissen wir allerdings nicht, denn die meisten tun den ganzen Tag hauptsaechlich nichts. Und wie ein Leben, oder auch mehrere, damit finanzierbar ist koennen wir uns auch nicht vorstellen. In jedem Haushalt finden sich Fernseher, Handies und Musikboxen, dafuer wird am Essen gespart, wird uns erzaehlt.
Auf unserem Rueckweg begleitet uns Tara, die Mutter. Ueberall laufen Schweine herum, welche sich mit den Hunden raufen. Tara erzaehlt uns, dass es Hausschweine sind. Sie ernaehren sich tagsueber vom dem Muell und Abfall der Strassen und kommen abends wieder nach Hause. Irgendwann werden sie dann geschlachtet und gegessen. Ein Schwein, bestehend aus Abfall quasi. Aber gluecklich sind sie wenigstens.
Die Probleme die die Tiere, Schweine wie Hunde und auch der Muell, mit sich bringen, sind Parasiten und Pilze. Tara zeigt uns einen etwa zweijaehrigen Jungen und sagt, dass er Wuermer unter der Haut hat, welche man auch sehen kann. In diesem Moment muessen wir einfach nach der Lebenserwartung fragen. 82 sagt sie uns und erklaert es damit, dass die Menschen hier keinen Stress in der Arbeit haben oder damit Autos oder Haeuser abzuzahlen.
Sie zeigt uns eine Wasserpfuetze in der die Schweine und Hunde baden und die Menschen es dennoch trinken. Deshalb ist ihre Arbeit mit den Filtern so wichtig.

Sind sie nicht suess? :)

Unser Dank heute geht an Madeleine, welche Anja das Paket mitgegeben und uns so diesen Einblick, dieses unglaubliche Abenteuer ermoeglicht hat. Niemand kann sich in diese Situation versetzen, wer es nicht selbst erlebt hat. Mit unseren Bildern und Beschreibungen ermoeglichen wir lediglich einen kleinen Einblick.
Obwohl es anstrengend war und wir die Situation nicht einschaetzen konnten, bereuen wir es nicht im geringsten, dass wir das Paket persoenlich abgegeben haben.
Cartagena lassen wir heute fuers erste hinter uns und es geht mit dem Bus weiter nach Santa Marta.
Hasta luego :)
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